2020 | Die Thesis - spatium subtile, ein Internat für Polymechaniker

Vom Städtli Huttwil herkommend erschliesst sich uns das Areal nur zögerlich. Als Erstes tritt ein leicht anmutender Baukörper in unser Blickfeld, ähnlich grazil anmutend präsentiert er sich der Strasse, er gleicht in seiner Art der Arbeit, die in ihm verrichtet wird. Feinste Metallarbeiten entstehen in den Ateliers dieses «Wärkruums», offen und transparent wird hier das Handwerk nach aussen getragen und den Passanten und Besuchern präsentiert. Die Theorie dazu wird den Lernenden in den oberen Räumlichkeiten nähergebracht. Das weisse Innenleben dieses Aluminium-Glas Körpers unterstützt den wachen Verstand und offeriert ein vitales Lernumfeld.

Gehen wir weiter, entdecken wir das Gegenstück zum Arbeitsumfeld, ein «Wohnhuus», das den hier Lernenden die Möglichkeit zu bleiben offenhält. Die zwei oberen Geschosse sind grösstenteils wohnlich in Holz gestaltet. Halt und Schutz bieten dabei dicke Stützen, welche die langen Korridore des Wohntrakts dezent rhythmisieren und in der Mitte des ersten Stocks Räume aufspannen, die trotz ihrer Grosszügigkeit nicht ausladend wirken. Diese dienen als gemeinschaftlicher Rückzugsort. So sitzen wir im Stuhl am Fenster, mit dem Blick zum Innenhof, beobachten die kleinen Tiere der Wiese und des Blumenfelds am Teich. Der feine Duft des Arvenholzes der Zimmerwände steigt wie Balsam in unsere Nasen, die dicken Eichendielen unter unseren Füssen muten behaglich warm an und geben uns ein Zuhause.

Öffentlicher geht es im Sockelgeschoss zu und her, dieses zeigt sich ähnlich transparent wie der Wärkruum gegenüber, in ihm wird gekocht und ganz vorne an den hohen Fenstern, nahe dem Naturpark des Innenhofs gegessen, im Büro wird verwaltet und in der Bibliothek gelesen. Auch die Lehrerschaft verbringt hier ihre wohl verdiente Pause mit dem nötigen Abstand zum Schulzimmer. Durch breite Schiebefenster betreten wir einen Innenhof, der von Mutter Natur selbst geschaffen zu sein scheint.

Die natürlich gefugte Pflästerung des Aussenraums trägt das Moos und kleinere Gräser bis an den Betonsockel der Gebäude heran. Alljährlich schön anmutende Wildpflanzen und Wiesenflächen bieten der Fauna im geschützten Hof einen vielseitigen Lebensraum. Das leise plätschernde Wasser des grossen Biotops kühlt diesen Zwischenraum angenehm und bringt den hier Sitzenden Entspannung. Von Mensch und Natur fein gestaltet zeigen sich diese Innen- und Aussenräume als spatium subtile.

Biodiversität - Durch die natürliche und vielschichtige Aussenraumgestaltung soll nicht nur dem Menschen ein Aufenthalts- und Erholungsraum geboten werden, auch der Tier- und Pflanzenwelt wird hier eine natürliche Entwicklung ermöglicht. Dies wird nicht zuletzt durch ein Biotop im Innenhof des Areals ermöglicht, das auch am und im Wasser lebenden Tieren, wie zum Beispiel Libellen, Fröschen und Molchen, einen Lebensraum bietet. Daneben finden Wildblumen, Gräser, Bäume, Farne und weitere in der Schweiz heimische Pflanzen einen Platz.

Holzauswahl und Verarbeitung - Durch eine baustellennahe Holzverarbeitung (ein Holzverarbeitungsbetrieb befindet sich auf dem Nachbarsgrundstück) können weite Transportwege vermieden werden. Zudem wird das Holz gänzlich unbehandelt oder natürlich geölt verbaut, was gut für Umwelt und Raumklima ist. Im «Wohnhuus» werden sämtliche Holzeinbauten (Wände etc.) in Arve ausgeführt, um das olfaktorische Raumklima des Hauses mit dem feinen Balsamgeruch dieser Holzart zu erfüllen. Die Böden werden in Eiche als Vollholz (geölt) vorgesehen, was einen leichten Kontrast zum Arvenholz bietet und durch seine Härte als Fussboden besticht. Durch das Nebeneinander von Holz und Beton (massive Stützen) wird eine wohnliche Atmosphäre geschaffen, wie man sie aus alten massiven Wohnhäusern kennt.

Förderung des Veloverkehrs - Das zum Abriss freigegebene Haus des Velomechanikers wird nicht abgerissen, um den Lernenden eine arealnahe Velodienstleistung anzubieten. Zudem werden 80 Veloabstellplätze auf dem Areal zur Verfügung gestellt (die meisten davon geschützt im Wohnhuus). So soll die Bewegung der Lernenden gefördert werden und der Verkehr im Städtchen soweit möglich entlastet.

Im Folgenden sind Bilder und plangrafische Darstellungen aus dem Thesis-Projekt zu sehen.

Situation Analyse Analyse Analyse Analyse Materialien Untergeschoss Erdgeschoss Obergeschoss 1 Obergeschoss 2 Grundriss möbliert Modellfoto Vestibül Innenhof Modellfoto Modellfoto Modellfoto Fassade Detailschnitt Wohnhuus Fassade Detailschnitt Wärkruum Fassaden Schnitt
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